BIENE – Bürgerinitiative Erhalt Naherholungsgebiet Elfrather See
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BIENE Krefeld · Stand 27.09.2026

Fragen & Fakten zum Surfpark Krefeld

Hier stehen nicht nur Positionen, sondern die konkreten Zahlen, Annahmen und Quellen dahinter. Wo Angaben aus verschiedenen Jahren nicht direkt vergleichbar sind, kennzeichnen wir das.

Quellenprinzip: Amtliche Planungsunterlagen und Gerichtsunterlagen zuerst. Angaben des Investors, des BUND oder anderer Beteiligter werden als solche gekennzeichnet. Prognosen sind keine bereits eingetretenen Tatsachen.

Häufige Aussagen – was ist tatsächlich belegt?

In der öffentlichen Debatte werden viele Argumente verkürzt wiedergegeben. Hier trennen wir zwischen belegbaren Angaben, Prognosen und offenen Fragen.

„Der Surfpark erspart Reisen ans Meer.“

Belegt ist: Ein Surfpark schafft eine zusätzliche Surfmöglichkeit im Binnenland. Nicht belegt ist bislang: wie viele Urlaubs- oder Flugreisen Krefelder Nutzer dadurch tatsächlich ersetzen würden. Ein Klimaeffekt durch vermiedene Reisen hängt vom tatsächlichen Nutzerverhalten ab und kann nicht allein aus der räumlichen Nähe des Angebots abgeleitet werden.

Ein Beispiel aus der Surfbranche: Im Kookhausen-Podcast spricht der Surfer und Wavegarden-Projektarchitekt Philipp von Buch persönlich darüber, warum für ihn künstliche Wellen und Surfen im Meer unterschiedliche Erlebnisse bleiben. Das ist keine Studie und kein Beleg für das Verhalten aller Surfer – es zeigt lediglich, dass ein Wavepool das Meer nicht automatisch ersetzt.

„Der Surfpark ermöglicht naturnahen Sport.“

„Naturnah“ ist keine eindeutige technische Kategorie. Konkret geplant ist eine künstlich betriebene Surflagune mit Wellentechnik, Gebäuden, Wegen und ergänzenden Sport- und Freizeitangeboten. Für die sachliche Einordnung sind deshalb Flächenbedarf, Versiegelung, Energie- und Wasserbedarf sowie Natur- und Artenschutzmaßnahmen aussagekräftiger als das Etikett „naturnah“.

„Krefeld braucht neue Sportangebote.“

Ob Krefeld ein bestimmtes zusätzliches Angebot „braucht“, ist eine politische und gesellschaftliche Bewertung. Fakt ist: Der Elfrather See wird bereits heute für Sport, Freizeit und Wassersport genutzt; Stand-up-Paddling wird dort bereits angeboten. Der Masterplan sieht zudem weitere öffentlich nutzbare Bewegungs- und Freizeitangebote vor. Der Surfpark würde diese bestehende Nutzung um ein privat betriebenes Wellenangebot und weitere Angebote ergänzen.

„Der Surfpark belastet die Umwelt nicht.“

Eine vollständige Umweltneutralität wird von den späteren Krefelder Planungsunterlagen nicht bestätigt. Die Stadt dokumentiert zusätzliche Energieverbräuche, Versiegelung, Baumverluste, Verkehr und Treibhausgasemissionen. In der Abwägung werden diese Auswirkungen berücksichtigt; andere Belange wurden von der Stadt dennoch höher gewichtet.

„Kürzere Wege bedeuten weniger Verkehr.“

Für einzelne Nutzer können Wege kürzer sein. Die Krefelder Verkehrsprognose erwartet durch das Vorhaben insgesamt jedoch zusätzlichen Verkehr: An einem angesetzten Spitzentag werden rund 1.800 Besucher, ein Pkw-Anteil von 90 % und etwa 1.280 zusätzliche Kfz-Bewegungen in 24 Stunden zugrunde gelegt. Eine mögliche Vermeidung anderer Fernreisen ist darin nicht automatisch nachgewiesen.

„180.000 Besucher pro Jahr sind realistisch.“

180.000 Besucher pro Jahr sind eine Planungsprognose, keine bereits nachgewiesene Nachfrage. Die Stadt leitet die Größenordnung unter anderem aus dem damaligen Referenzstandort Surf Snowdonia mit rund 150.000 zahlenden und nicht zahlenden Besuchern sowie aus dem größeren Einzugsgebiet und Campingangebot in Krefeld ab. Der Wellenbetrieb in Snowdonia wurde später eingestellt. Das macht die Prognose nicht automatisch falsch, zeigt aber, dass Annahmen aus Referenzstandorten im Zeitverlauf überprüft werden müssen.

Wasser: Was ist für Krefeld konkret vorgesehen?

ca. 25.000 m³Erstbefüllung des Surfbeckens laut Planungsunterlagen
55 m³/hlaut Unterlagen mögliche Befüllungsrate über das städtische Leitungsnetz
ca. 2,2 haFläche des Surfbeckens laut Umweltbericht

Die Begründung und der Umweltbericht nennen für die erste Befüllung rund 25.000 m³ Wasser aus dem städtischen Leitungsnetz. Für Verdunstungs- und Spritzwasserverluste wird mit rund 30.000 bis 50.000 m³ pro Jahr gerechnet. Die Nachspeisung soll grundsätzlich über Grundwasser und ergänzend über Niederschlagswasser erfolgen; Leitungswasser bleibt als Ausweichmöglichkeit genannt. Zusätzlich kalkulieren die Unterlagen rund 10.665 m³ Trinkwasser pro Jahr für Hauptgebäude, Sanitärbereiche, Tiny Houses und Campingplatz. Das etwa 2,2 ha große Surfbecken unterbindet zudem die direkte Niederschlagsversickerung auf dieser Fläche.

„Einmal befüllen“ bedeutet nicht „kein weiterer Wasserbedarf“

Wavegarden beschreibt seine Lagunen als Kreislaufsysteme und erklärt, dass Wasserverluste durch Verdunstung ersetzt werden müssen. Der Hersteller schreibt außerdem, dass eine Entleerung nicht jährlich erforderlich sei, empfiehlt seinen Projektpartnern aber, eine Entleerung etwa alle zwei bis drei Jahre zur Kontrolle von Abdichtung und Bauwerk zu erwägen. Für Filterwartung und -reinigung nennt Wavegarden zusätzlich einen Wasserbedarf von weniger als 1 m³ pro Tag. Diese Herstellerangaben sind allgemeine Angaben zur Technologie und ersetzen keine Krefeld-spezifische Wasserbilanz.

Energie und Klima

3.365 MWh/Jahrprognostizierter Gesamtenergiebedarf des Vorhabens
2.545 MWhdavon Strom
820 MWhdavon Wärme

Diese Werte stammen aus den städtischen Unterlagen zur Klimawirkungsprüfung und beziehen sich auf das Gesamtvorhaben. Nach der Planung sollen rund 30 % des Energiebedarfs durch erneuerbare Energie innerhalb des Vorhabens gedeckt werden; der weitere Strombedarf soll als Ökostrom aus dem Netz bezogen werden. Die Wellentechnik ist dabei nur ein Teil des Gesamtverbrauchs.

Was sagt die Stadt selbst zum Klima?

Die Abwägung hält fest, dass das Vorhaben zusätzliche Treibhausgasemissionen verursacht und in seiner Gesamtheit den Klimaschutzzielen zuwiderläuft. Die Stadt gewichtet in der planerischen Abwägung andere Belange dennoch höher. Die Klimawirkungsprüfung prognostiziert für Betrieb und nahen Verkehr rund 1.894 t CO₂e/Jahr im Modellstand 2024, sinkend auf 513 t für 2035, 148 t für 2045 und 110 t für 2050. Bauphase, Baustoffherstellung und entfernter Verkehr sind dabei nicht vollständig quantifiziert.

Natur, Fläche und Bäume

684satzungsgeschützte Bäume im Planungsgebiet laut Stadt
351davon sollen für das Vorhaben entfallen
351Ersatzpflanzungen sind laut Abwägung vorgesehen

Die Stadt dokumentiert, dass 351 nach Baumschutzsatzung geschützte Bäume entfallen sollen. In der Abwägung wird zugleich festgehalten, dass hierfür 351 Neupflanzungen geregelt sind. Ersatzpflanzungen sind rechtlich und ökologisch nicht identisch mit dem Erhalt bestehender, älterer Bäume; die Stadt bewertet sie jedoch als vollständigen Ausgleich im Sinne ihrer Baumschutzsatzung.

Wie groß ist die beanspruchte und versiegelte Fläche?

ca. 8,5 haeingezäunte Kern-Vorhabenfläche
ca. 3,62 haneu entstehende Vollversiegelung
ca. 0,27 haneu entstehende Teilversiegelung

Die häufig genannte Projektfläche ist nicht mit Versiegelung gleichzusetzen. Bezogen auf ein rund 138 ha großes Gesamtareal entsprechen 8,5 ha rechnerisch etwa 6,2 %. Da diese Gesamtfläche auch Wasserflächen umfasst, beantwortet die Prozentzahl eine andere Frage als der Anteil an der Landfläche. Für die tatsächliche Bodenwirkung sind die in den Planunterlagen ausgewiesenen zusätzlichen Voll- und Teilversiegelungen aussagekräftiger.

Verkehr

ca. 1.800Besucher an einem angesetzten Spitzentag
90 %angenommener Pkw-Anteil
ca. 1.280 Kfz/24 hzusätzlicher Verkehr nach der Planungsannahme

Die Verkehrsprognose basiert auf Annahmen über Besucher, Anreiseverhalten und zeitliche Verteilung. Für Surfpark und Campingplatz werden 180.000 Besucher pro Jahr angesetzt. An Spitzentagen rechnet die Planung mit rund 1.800 Besuchern, darunter etwa 1.060 Surfer, sowie mit einem Pkw-Anteil von 90 %. Daraus werden rund 1.280 zusätzliche Kfz-Bewegungen in 24 Stunden abgeleitet.

Besucherzahlen und Surfkapazität

200.000/Jahr2021 öffentlich genannte Zielgröße aus der damaligen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Investors
180.000/Jahrspätere Planungsannahme für Surfpark und Campingplatz – 10 % weniger als die frühere Zielgröße
ca. 150.000/Jahraktuelle Betreiberangabe für The Wave Bristol: Surfer und Nicht-Surfer, ohne Unterkunftsgäste

Die Krefelder Prognose hat sich verändert. In einer öffentlichen Beratung im Dezember 2021 wurden rund 200.000 Besucher pro Jahr als Zielgröße bezeichnet, die aus der damaligen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Investors stammte. In den späteren Planungsunterlagen wird mit 180.000 Besuchern pro Jahr für Surfpark und Campingplatz gerechnet. Rechnerisch ist das eine Reduzierung um 10 %.

Die Stadt begründet die 180.000 Besucher ausdrücklich unter anderem mit Surf Snowdonia in Wales. Dort seien rund 150.000 zahlende und nicht zahlende Besucher pro Jahr erreicht worden. Für Krefeld wird wegen des größeren Einzugsgebiets und des Campingplatzes ein höherer Wert angenommen. Für das Surfbecken setzt die Planung an Spitzentagen außerdem rund 1.060 Surfer und 95 % Auslastung an. Snowdonia stellte den Wellenbetrieb später ein; die Referenz ist deshalb als historische Erfahrungsgrundlage einzuordnen und nicht als heutiger laufender Vergleichsbetrieb.

Was bedeuten 1.060 Surfer an einem Spitzentag?

Der Investor nennt für Krefeld 78 Personen gleichzeitig je Session. Bei einer rechnerischen Belegung von 95 % wären im Mittel rund 74 Plätze belegt. 1.060 Surf-Nutzungen entsprächen damit rund 14,3 solchen Session-Belegungen. Das ist eine Rechenhilfe, kein veröffentlichter Krefelder Betriebsplan. Welche konkrete Betriebsdauer, Wellenprogramme und Verteilung der Könnensstufen der Prognose zugrunde liegen, sollte aus den Betriebsunterlagen nachvollziehbar hervorgehen.

Was zeigt der Vergleich mit Bristol?

Der Betreiber von The Wave Bristol nennt aktuell rund 150.000 Besucher pro Jahr aus Surfern und Nicht-Surfern; Unterkunftsgäste ohne Surfbesuch sind dabei ausdrücklich nicht enthalten. Die Krefelder Planungsannahme von 180.000 liegt damit rechnerisch rund 20 % über dieser aktuellen Bristol-Angabe. Die frühere Krefelder Zielgröße von 200.000 lag rund 33 % darüber.

Das ist kein Beweis, dass 180.000 Besucher in Krefeld nicht erreichbar wären: Die Definitionen sind nicht identisch, Krefeld zählt Surfpark und Campingplatz zusammen und die Standorte unterscheiden sich. Der Vergleich zeigt aber, dass die Besucherprognose eine zentrale wirtschaftliche Annahme ist und nicht nur als abstrakte Zahl betrachtet werden sollte.

Bristol: Was ist tatsächlich dokumentiert?

  • 2020: The Wave meldete mehr als 90.000 verkaufte Surf-Sessions und weitere 50.000 Nicht-Surf-Besuche, obwohl die Anlage nach eigener Angabe wegen der Lockdowns fast sechs Monate geschlossen war. Surf-Sessions sind nicht mit einzelnen Besuchern gleichzusetzen.
  • 2021–2023: Aus veröffentlichten Unternehmensdaten wurden rund 157.000, 149.000 und 142.000 verkaufte Surf-Stunden pro Jahr sowie 55.000, 40.000 und 44.000 Nicht-Surf-Gäste ausgewiesen. Auch hier gilt: Eine Surf-Stunde ist keine eindeutige Person; Wiederholungsbesuche sind möglich.
  • Fünfjahresstand: Zum fünfjährigen Bestehen wurde von rund 400.000 Besuchern seit der Eröffnung 2019 berichtet. Ein einfaches Teilen durch die Jahre wäre wegen Pandemie, Schließzeiten und unterschiedlicher Zählweisen nur eine grobe Rechenhilfe.
  • Aktuelle Betreiberangabe: The Wave nennt derzeit ungefähr 150.000 Besucher pro Jahr, bestehend aus Surfern und Nicht-Surfern; reine Unterkunftsgäste sind nicht enthalten.

Zur Einordnung der Corona-Jahre: Man kann die 400.000 kumulierten Besucher nicht seriös einfach durch drei „normale“ Jahre teilen, nachdem 2020 und 2021 herausgerechnet wurden. In beiden Jahren gab es trotz Einschränkungen bereits beträchtliche Nutzung, die in den 400.000 enthalten ist. Sinnvoller sind deshalb die veröffentlichten Jahres-/Betriebsdaten und die heutige Betreiberangabe von rund 150.000 Besuchern jährlich.

Der frühere Referenzstandort Surf Snowdonia in Wales stellte den Wellenbetrieb später ein; die heutige Betreiberseite erklärt, dass der künstliche Surfpool nicht mehr geöffnet ist. Das macht die Krefelder Prognose nicht automatisch falsch, zeigt aber, dass Erfahrungswerte aus frühen Referenzprojekten im Zeitverlauf überprüft werden sollten.

Investition, Kredit und Landesbürgschaft

rund 45 Mio. €aktuelles Investitionsvolumen laut RP und WZ vom 25.09.2026
ca. 2/3nach aktuellen Presseangaben privat finanziert
ca. 15 Mio. €rechnerisch rund ein Drittel Kredit; durch eine Landesbürgschaft abgesichert

Die Rheinische Post nennt am 25.09.2026 für das Projekt ein Investitionsvolumen von rund 45 Mio. €. Zwei Drittel seien privat finanziert, ein Drittel über einen Kredit der Sparkasse Krefeld und der Kreissparkasse Heinsberg; dieser Kredit sei durch eine Landesbürgschaft abgesichert. Auch die Westdeutsche Zeitung nennt rund 45 Mio. €, zwei Drittel private Finanzierung und ein Drittel Kredit mit Landesbürgschaft.

Die Bankenstruktur hat sich verändert

In einer früher öffentlich beschriebenen Finanzierungsstruktur war zusätzlich die Kreissparkasse Köln mit 5 Mio. € vorgesehen. Nach Darstellung der Freien Wähler Krefeld zog sie sich zurück; der weggefallene Anteil solle zusätzlich von der Sparkasse Krefeld übernommen werden. Die aktuelle RP-Berichterstattung nennt nur noch Sparkasse Krefeld und Kreissparkasse Heinsberg als Kreditgeber. Eine belastbare aktuelle öffentliche Aufteilung des gesamten Kreditbetrags zwischen diesen beiden Instituten liegt uns nicht vor. Deshalb wird hier nicht aus dem Wechsel eigenständig eine konkrete 10/5-Mio.-Aufteilung abgeleitet.

Was bedeutet die Landesbürgschaft? Sie ist nicht gleichbedeutend mit einer unmittelbaren Auszahlung von Landesmitteln. Sie dient der Absicherung des Kredits und reduziert damit das Ausfallrisiko der kreditgebenden Banken. Öffentlich belegt ist die Absicherung durch die Landesbürgschaft; nicht belastbar dokumentiert ist dagegen die weitergehende Aussage, dass die Banken den Kredit nur wegen dieser Bürgschaft gewährt hätten.

Erbbaurecht und Altlasten: Wer trägt welche Kosten?

Die Projektflächen bleiben im Eigentum der Stadt Krefeld. Dem Vorhabenträger wird für die benötigten städtischen Flächen ein Erbbaurecht eingeräumt; Stellplätze auf P4 werden separat vermietet. Die konkrete Höhe des Erbbauzinses und der Miete wird öffentlich nicht genannt.

Altlastenkosten werden mit dem Erbbauzins verrechnet

Nach den städtischen Unterlagen werden nachgewiesene altlastenbedingte Kosten einschließlich der hierfür erforderlichen Bodenverdichtung grundsätzlich mit dem vom Vorhabenträger zu zahlenden Erbbauzins verrechnet. Wirtschaftlich mindern diese Kosten damit die Einnahmen der Stadt aus dem Erbbaurecht. Übersteigen die anerkannten Altlastenkosten den über die gesamte Vertragslaufzeit verrechenbaren Erbbauzins, sollen darüber hinausgehende Kosten je zur Hälfte von Stadt und Vorhabenträger getragen werden. Normale Herstellungskosten, die auch auf einem unbelasteten Grundstück angefallen wären, trägt dagegen der Vorhabenträger.

ca. 1,96 Mio. €damalige Schätzung der altlastenbedingten Mehrkosten – keine Kostenobergrenze
ca. 65.000 m³erwartete Boden-/Bauschuttbewegung
ca. 10 %sollen nach bisheriger Prognose extern entsorgt werden – rechnerisch etwa 6.500 m³

Ob die kalkulierten rund 1,96 Mio. Euro ausreichen, lässt sich vor Abschluss beziehungsweise hinreichender Konkretisierung der Arbeiten nicht feststellen. Die Stadt hält zugleich fest, dass ohne Umsetzung des Surfparks derzeit kein Eingriff in die vorhandene Altablagerung und keine Sanierung erforderlich wäre.

Andere Altlastenprojekte – nur als Größenvergleich

Bei anderen deutschen Altlastenprojekten wurden je nach Belastung und Sanierungsziel deutlich höhere Summen kalkuliert oder ausgegeben. Beispielsweise wurden für die vollständige Entfernung belasteter Auffüllungen auf einem Gelände in Ingolstadt Varianten von 5,5 Mio. € bzw. 10,2 Mio. € genannt; andere umfangreiche NRW-Sanierungen erreichten Gesamtkosten von über 20 Mio. €. Diese Fälle unterscheiden sich in Schadstoffen, Mengen, Tiefe und Sanierungsziel und erlauben keine Hochrechnung auf den Elfrather See. Sie zeigen lediglich, dass die tatsächlichen Kosten stark vom Befund und vom notwendigen Entsorgungsweg abhängen können.

Was lässt sich zur Wirtschaftlichkeit sachlich sagen?

Eine vollständige betriebswirtschaftliche Kalkulation des Betreibers mit Erlösen, Kosten, Finanzierung und Sensitivitätsrechnungen ist öffentlich nicht vollständig nachvollziehbar. Trotzdem lassen sich die wesentlichen wirtschaftlichen Annahmen aus den veröffentlichten Unterlagen prüfen und mit realen Betriebsdaten anderer Anlagen einordnen.

−10 %Die Krefelder Besucherprognose sank von rund 200.000 als Zielgröße 2021 auf 180.000 in späteren Planungsunterlagen.
+20 %180.000 liegen rechnerisch etwa 20 % über der aktuellen Betreiberangabe von ca. 150.000 Besuchern/Jahr in Bristol – bei unterschiedlichen Definitionen.
Finanzierungsrisiko realBristol blieb nachgefragt, geriet 2025 aber dennoch in Administration und wurde finanziell restrukturiert.

Besucherzahl allein entscheidet nicht über Rentabilität. Entscheidend sind unter anderem der Anteil tatsächlich zahlender Surf-Sessions, Wiederholungsbesuche, Preise, saisonale Auslastung, Betriebs- und Wartungstage, Energie- und Personalkosten, Finanzierungskosten sowie zusätzliche Erlöse aus Gastronomie, Camping und anderen Angeboten.

Die Stadt ließ vor dem Satzungsbeschluss die finanzielle Leistungsfähigkeit des Vorhabenträgers prüfen. Gleichzeitig wird in den Unterlagen darauf hingewiesen, dass ein Insolvenzrisiko nicht vollständig ausgeschlossen werden kann und langfristig nicht garantiert ist, dass eine Anlage dauerhaft ausreichend genutzt wird. Damit ist die Frage der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von der planungsrechtlichen Zulässigkeit zu unterscheiden.

Was ergibt der Realitätscheck mit Bristol?

Bristol ist besonders hilfreich, weil die Anlage dieselbe Grundtechnologie eines künstlichen Surfbeckens im europäischen Markt nutzt und reale Betriebsjahre vorliegen. Der Standort meldet aktuell ungefähr 150.000 Besucher jährlich. 2025 geriet die Betriebsgesellschaft trotzdem in Administration und wurde anschließend im Rahmen einer finanziellen Restrukturierung übernommen. Die Beteiligten betonten, die akute Krise sei nicht durch mangelnde Nachfrage ausgelöst worden. Der Fall zeigt damit zweierlei: Nachfrage kann vorhanden sein – und trotzdem können Kapitalstruktur, Finanzierung und Eigentümerverhältnisse wirtschaftlich entscheidend werden.

Für Krefeld folgt daraus weder, dass das Projekt wirtschaftlich scheitern noch dass es sicher erfolgreich sein wird. Sachlich belastbar ist aber: Die Besucherprognose ist im Laufe des Verfahrens bereits gesunken, liegt weiterhin über der aktuellen Jahresangabe aus Bristol, und die Finanzierung ist neben der Auslastung ein eigenständiger Risikofaktor.

Natur & Artenschutz am Elfrather See

Die neue Beschilderung der Stadt hebt die ökologische Bedeutung des Elfrather Sees ausdrücklich hervor. Genannt werden mehr als 120 nachgewiesene Vogelarten, darunter Kiebitz und Flussregenpfeifer, sowie mehrere streng geschützte Fledermausarten.

Neue städtische Informationstafel zum Artenvorkommen am Elfrather See
Städtische Informationstafel „Artenvorkommen am Elfrather See“ · September 2026

Was die Surfpark-Unterlagen dazu behandeln

Auch die Planungsunterlagen zum Surfpark behandeln Brut- und Rastvögel, Fledermäuse, mögliche Auswirkungen sowie Schutz-, Vermeidungs- und Monitoringmaßnahmen. Die Planung geht davon aus, dass die artenschutzrechtlichen Anforderungen mit diesen Maßnahmen eingehalten werden können.

Stand des Verfahrens: Natur- und Artenschutz sind Gegenstand der veröffentlichten Planungsunterlagen und der laufenden Verfahren. Die unterschiedlichen Positionen von Stadt, Vorhabenträger und BUND werden hier nur anhand veröffentlichter Quellen wiedergegeben; eine eigene rechtliche Bewertung erfolgt an dieser Stelle nicht.

Was ist noch offen?

Wo Quellen unterschiedliche Aussagen enthalten oder ein Detail nicht öffentlich zugänglich ist, bleibt dies ausdrücklich offen. BIENE ergänzt die Seite, wenn belastbare neue Unterlagen vorliegen.

Zuletzt redaktionell aktualisiert: 27.09.2026.